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Kind krank? Dann dürfen Sie zu Hause bleiben

„Bloß nicht heute“, dachte Anna, als ihr vierjähriger Sohn Linus mit altbekannt gequältem Gesicht morgens an ihrem Bett stand. Doch sie hatte wieder zugeschlagen: Die Mittelohrentzündung. Am Tag einer wichtigen Besprechung mit einem neuen Kunden. Die Großeltern sind weit entfernt, Papa auf Dienstreise, Geschwister hat Linus noch nicht. Es bleibt Anna nichts anderes übrig, als mit Linus zum Arzt zu fahren und anschließend bei ihm zu Hause zu bleiben, denn Kindergarten kommt nicht infrage. Das darf sie aber auch ohne schlechtes Gewissen tun, sagt der Gesetzgeber.

Eltern kranker Kinder haben Anspruch auf Freistellung

Grundsätzlich haben Eltern 10 Tage Anspruch auf Freistellung, wenn ihr Kind krank werden sollte. Das gilt pro Kind unter 12 Jahre und für jedes Elternteil. Insgesamt ist die Anzahl der Krankentage aber auf 25 Tage begrenzt. Alleinerziehende haben Anspruch auf die doppelte Zahl, also 20 beziehungsweise 50 Tage. Da der Arbeitnehmer nichts für die Erkrankung des Kindes kann, behält er den Anspruch auf sein Geld. Der Arbeitgeber zahlt während der ersten fünf Tage das Nettogehalt. Danach hat der Beschäftigte Anspruch auf Krankengeld. Ist dieses nicht im Arbeitsvertrag geregelt, zahlt die Krankenkasse. Aber nur, wenn das Kind gesetzlich versichert und jünger als 12 Jahre ist. Ein ärztliches Attest ist allerdings notwendig. Privatpatienten müssen selbst zahlen, wenn ihr Arbeitgeber nicht einspringt, oder sie nehmen Sonderurlaub.

Nicht den eigenen Urlaub fürs kranke Kind aufbrauchen

Viele Arbeitnehmer fürchten um ihren Arbeitsplatz, wenn sie wegen ihrem kranken Kind zu Hause bleiben müssen. Doch gerade bei kleineren Kindern sind mehrere Infekte im Jahr völlig normal. Den eigenen Urlaub für solche Fälle aufzubrauchen oder gar Krankheit vorzutäuschen, ist keine gute Idee. Denn das kann im schlimmsten Fall zu Abmahnungen oder Kündigungen führen. Für ein gutes Betriebsklima hilft es, offen zum Arbeitgeber zu sein. Die Bereitschaft, Verwandte einspringen zu lassen oder sich mit dem Partner abzuwechseln, wirkt sich auch positiv aus.

Im Krankheitsfall das Home-Office nutzen

Krankheiten können andauern. Dauern sie länger als alle Krankentage, können Arbeitnehmer versuchen, stundenweise oder von zu Hause aus zu arbeiten. Viele Unternehmen wollen mit der Zeit gehen und Eltern dabei unterstützen, Kind und Karriere zu vereinen. Das geht, mithilfe von Gleitzeiten oder Home-Office-Modellen. Oder jemand aus dem Familien- und Freundeskreis springt ein. Hilft das alles nicht mehr, kann eine Haushaltshilfe angestellt werden. Diese zahlt die Kasse, aber nur, wenn die Mutter selbst krank wird und sonst niemand einspringen kann. Haushaltshilfen vermitteln zum Beispiel Wohlfahrtsverbände. Spätestens aber, wenn das Kind aus der Infektionshochburg Kindergarten in die Schule hüpft, stabilisiert sich das Immunsystem. Damit verringern sich die Tage, die Eltern mit dauerlaufenden Nasen daheim verbringen, automatisch.