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Wegeunfall im Homeoffice

Wegeunfall bei Homeofficetätigkeit – geht das?

Immer wieder beschäftigen Wegeunfälle die Sozialgerichte. Das ist nicht weiter verwunderlich, geht es bei den Leistungen der Berufsgenossenschaft für die Betroffenen um viel Geld. Dieser Sachverhalt sticht um so mehr, wenn der Wegeunfall eine mögliche Berufsunfähigkeit bedingt. Die gesetzliche Rentenversicherung leistet nur noch bei Erwerbsminderung, für den Verunglückten geht es möglicherweise um die Existenz. Das Sozialgericht Hannover hatte über einen Streitfall zu urteilen, bei dem es darum ging, ob der Nutzer eines Homeoffice ebenfalls einen Wegeunfall haben kann (Az.: S 22 U 1/15).

Der Sachverhalt

Eine Arbeitnehmerin arbeitet von zu Hause aus in einem gesonderten Büroraum für ihr Unternehmen. Ihre Tochter ging zum Zeitpunkt des Unfalls noch in den Kindergarten. Bevor die Mutter ihre Tätigkeit von zu Hause aufnahm, brachte sie ihr Kind jeden Tag in den Kindergarten. Auf dem Rückweg erlitt sie einen Unfall und machte Leistungen bei der Berufsgenossenschaft geltend. Ihre Argumentation lautete, dass es ein Wegeunfall gewesen wäre, wäre sie auf dem Weg in ein externes Büro gewesen. So war sie auf dem Weg nach Hause, in ihr dortiges Büro. Die Richter konnten jedoch keine Übereinstimmung mit dem im Paragraf 8 Abs. 2 Nr. 2 a) SGB VII genannten Sachverhalt sehen, nach dem auch ein Umweg auf dem Arbeitsweg zur Unterbringung der Kinder unfallversichert ist. Die Klägerin sei vielmehr wieder auf dem Heimweg gewesen, da sich das Büro nun einmal in der eigenen Wohnung befindet. Es sei auch nicht klar, ob sie sofort an den Schreibtisch ginge, oder erst noch private Dinge in der Wohnung erledigte, wie beispielsweise Staub saugen oder aufräumen.

Wer trägt die Prozesskosten?

Es ist üblich, dass derjenige für die Kosten aufzukommen hat, der das Verfahren verliert. In diesem Fall ist zu hoffen, dass die Klägerin über eine Rechtsschutzversicherung verfügte, welche sowohl die Anwalts- als auch die Verfahrenskosten trug. Klagen in Deutschland ist kein preiswertes Unterfangen. Der Staat bietet zwar Prozesskostenbeihilfe an, aber hier muss erst einmal ein Anspruch darauf bestehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass im Anschluss an eine gerichtliche Niederlage eine Kreditaufnahme für den Unterlegenen notwendig wurde. Ging der Prozess nur durch die erste Instanz, hält sich der Kredit im Rahmen. Eine Übersicht über günstige Kleinkredite finden sich auf diversen Kreditvergleichsportalen, beispielsweise auf www.kleinkredite.net. Wer eine Rechtsschutzversicherung für Arbeitnehmer sein eigen nennt, genießt dagegen automatisch Versicherungsschutz bei Sozialgerichtsverfahren. Bei einer älteren Police bliebe aber zu prüfen, ob die Versicherungssummen noch ausreichend sind. Regelmäßige Überprüfungen und gegebenenfalls Anpassungen machen sich möglicherweise bezahlt.